Acht Tage zwischen Levicosee - Caldonazzosee, Dolomiten, historischen Kurorten und Südtiroler Radwegen Manchmal entdeckt man eine Reiseregion, bei der man sich schon nach wenigen Tagen fragt: Warum waren wir eigentlich nicht schon früher hier?
So ging es uns im Trentino und ganz besonders in der Valsugana. Wir waren acht Tage und sieben Nächte unterwegs und hatten unsere Fahrräder natürlich dabei. Unser Standort war Levico Terme – ein traditionsreicher Kurort zwischen dem Levicosee und dem Caldonazzosee.
Von hier aus haben wir die Region intensiv mit dem Fahrrad erkundet. Wir wollten dabei nicht nur möglichst viele Kilometer fahren. Uns interessieren auf unseren Reisen genauso die Landschaft, kleine Orte, Kirchen und Burgen, die Geschichte einer Region – und natürlich ein schöner Platz für einen Cappuccino oder ein gutes italienisches Essen.
Gerade dafür ist die Valsugana ideal.
Und weil wir die Reise selbst gefahren sind, konnten wir unterwegs ausprobieren, welche Strecken sich wirklich für eine spätere Launer-Radreise eignen. Dabei haben wir auch Wege kennengelernt, die wir unseren Gästen gerade nicht zumuten würden.
Tag 1 – Vom Brenner mit dem Fahrrad nach Südtirol
Unsere Reise begann zunächst ganz bequem mit unserem Kleinbus ab Wört. Doch bereits am Brenner war Schluss mit Sitzen: Fahrräder ausladen und ab in den Sattel.
Vom Brennerpass führt der Radweg durch das Eisacktal überwiegend bergab nach Südtirol. Gerade für den ersten Urlaubstag ist diese Strecke wunderbar. Man ist sofort mitten in der Bergwelt und bekommt schon nach wenigen Kilometern dieses besondere Gefühl, tatsächlich mit dem Fahrrad nach Italien hineinzufahren.
Über Sterzing führte unsere Strecke weiter Richtung Brixen und Klausen. Sterzing mit seinen bunten Bürgerhäusern und Brixen mit seinem Dom und der historischen Altstadt lohnen sich für eine Pause.
Danach ging es weiter ins Trentino zu unserem Standorthotel in Levico Terme.
Piazza della Chiesa vor der Chiesa del Santissimo Redentore
Damit hatten wir schon am ersten Tag das erreicht, was wir an Radreisen besonders mögen: Die Anreise ist nicht einfach nur notwendige Fahrt zum Urlaubsort – die Reise beginnt bereits unterwegs auf dem Fahrrad.
Levico Terme – unser Zuhause für die nächsten Tage
Levico Terme gefiel uns auf Anhieb.
Der Ort liegt etwas oberhalb des Levicosees und hat sich viel von der Atmosphäre eines alten Kurortes erhalten. Seine große Zeit erlebte Levico während der Habsburgermonarchie. Noch heute erinnern der große Kurpark und zahlreiche Gebäude an diese Epoche.
Besonders schön fanden wir die Abende rund um die Piazza della Chiesa vor der Chiesa del Santissimo Redentore. Während unseres Aufenthalts gab es dort immer wieder Musik. Einmal hörten wir in der Kirche ein klassisches Chorkonzert, während draußen Jazz, Rock und Unterhaltungsmusik gespielt wurden.
Die Menschen saßen auf den Treppen vor der Kirche, unterhielten sich und genossen den Abend.
Italienisches Lebensgefühl, wie wir es mögen.
Auch der montägliche Markt gehört für uns zu Levico. Zwischen Marktständen, Einkaufstaschen und den Cafés erlebt man noch ein Stück des Italiens, das wir von unseren Reisen vor 30 oder 40 Jahren kennen. Direkt dahinter beginnt der wunderschöne historische Kurpark.
Tag 2 – Levicosee, Caldonazzosee und Castel Pergine
Unsere erste große Erkundungstour führte uns rund um die beiden Seen.
Vom Levicosee ging es zunächst hinauf nach Ischia. Danach führte uns eine schöne Strecke weiter Richtung Pergine. Schon aus einiger Entfernung tauchte über uns das mächtige Castel Pergine auf.
Die Burg thront weithin sichtbar über dem Tal. Wir umrundeten den Burgberg und fuhren anschließend hinein nach Pergine Valsugana. Das Städtchen besitzt einen typisch italienischen Hauptplatz, kleine Geschäfte und natürlich Cafés – also genau richtig für eine Pause.
Anschließend erreichten wir den Caldonazzosee.
Ein wunderschöner Radweg führte uns am See entlang und schließlich durch ausgedehnte Apfelplantagen wieder zurück nach Levico Terme. Rund 30 Kilometer und etwa 500 Höhenmeter kamen an diesem Tag zusammen.
Keine extreme Tour – dafür eine herrliche Mischung aus Landschaft, See, kleinen Orten und Geschichte.
Castel Pergine – die Burg thront weithin sichtbar über dem Tal
Der Levicosee – im Sommer ein herrliches Badeparadies
Ein Tag ohne Fahrrad – zu Fuß um den Levicosee
Auch bei einer Fahrrad-Erkundungs-Reise müssen wir nicht jeden Tag auf dem Fahrrad sitzen.
An einem Tag war das Wetter nicht ganz so ideal zum Radfahren. Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg und umrundeten den Lago di Levico.
Der Weg führt größtenteils durch Wald und Schatten. Gerade an heißen Sommertagen ist das angenehm. Am See sieht man zahlreiche Angler, kleine Badeplätze und immer wieder schöne Ausblicke aufs Wasser.
Unsere Runde hatte ungefähr 10 Kilometer und 300 Höhenmeter.
Eine schöne Erkenntnis für unsere Reiseplanung: Selbst wenn das Fahrrad einmal stehenbleibt, wird es in Levico nicht langweilig.
Castello del Buonconsiglio – Trient
Mit dem Fahrrad nach Trient – auf den Spuren des Konzils
Einer unserer kulturellen Höhepunkte war die Radtour nach Trient.
Über Caldonazzo und kleinere Straßen näherten wir uns der Stadt. Schon bei der Einfahrt fällt das mächtige Castello del Buonconsiglio auf. Jahrhundertelang residierten hier die Fürstbischöfe von Trient.
Weltgeschichte geschrieben wurde in Trient aber vor allem zwischen 1545 und 1563.
Damals tagte hier das berühmte Konzil von Trient. Die katholische Kirche reagierte damit auf die Reformation und stellte wichtige Weichen für die folgenden Jahrhunderte.
Natürlich stellten wir unsere Fahrräder nicht einfach irgendwo ab und liefen weiter. Wir fuhren damit mitten hinein in die historische Altstadt. Und plötzlich standen wir mit unseren Rädern auf der Piazza Duomo.
Piazza del Duomo mit dem Dom San Vigilio und der Neptunbrunnen von Trient
Trient oder Trento – hat uns wirklich begeistert. Direkt auf dem Domplatz konnten wir unsere Fahrräder abstellen. In vielen italienischen Städten werden wir Radfahrer bereits diskriminiert und dürfen nicht mehr in die Zentren fahren. In Trento sind wir willkommen.
Kirche Santa Maria Maggiore – ist neben dem Dom von Trient eine berühmte Kirche
Besonders beeindruckt hat uns neben dem Dom die Kirche Santa Maria Maggiore. Auch sie spielte während des Konzils eine wichtige Rolle. Im Inneren befindet sich eine Darstellung einer damaligen Konzilssitzung – wenn man davorsteht und die vielen versammelten kirchlichen Würdenträger betrachtet, bekommt man eine Vorstellung davon, welche Bedeutung Trient damals für Europa hatte.
Nach unserem Stadtaufenthalt folgten wir zunächst ganz entspannt dem Etschradweg Richtung Süden.
Danach hieß es allerdings wieder: bergauf.
Über kleine Straßen arbeiteten wir uns zurück Richtung Valsugana. Am Ende standen etwa 47 Kilometer und 970 Höhenmeter auf dem Tacho. Ein anstrengender, aber großartiger Tag.
Valsugana-Radweg – manchmal ist Umkehren die beste Entscheidung
Am nächsten Tag wollten wir Richtung Borgo Valsugana und Arte Sella fahren.
Dabei machten wir eine Erfahrung, die für unsere spätere Reiseplanung mindestens genauso wichtig war wie die schönsten Radwege.
Wir gerieten auf einen Forstweg, der zunächst noch machbar aussah. Doch der Weg wurde immer steiler und schlechter. Teilweise lagen große Steine auf der Strecke und die Steigung ging stellenweise deutlich über 20 Prozent.
Ein erfahrener Mountainbiker, den wir unterwegs trafen, bestätigte uns, dass es weiter oben noch schwieriger werden würde.
Also machten wir das einzig Vernünftige: Wir drehten um.
Der Valsugana-Radweg bzw. Brenta-Radweg ist phantastisch ausgebaut. Hier macht Radfahren wirklich Spaß.
So erreichten wir schließlich Borgo Valsugana, wo wir uns im historischen Zentrum einen schattigen Platz für unsere Pause suchten.
Für unsere geplante Launer-Reise war diese Erfahrung Gold wert. Wir testen unsere Strecken selbst – und wenn uns etwas nicht gefällt, suchen wir eine bessere Lösung. Und diese ist nun so, dass wir von Borgo hinauf fahren – auf besten Wegen nach Arte Sella.
Auf der „Straße der Herrschaften“ nach Vetriolo Terme
Eine der interessantesten Touren unserer Reise führte uns hoch über Levico.
Unser Ziel war Vetriolo Terme.
Das Thermalbad von Vetriolo Terme – Wir haben erfahren, dass es geplant ist, es wieder zu eröffnen
Eine der interessantesten Touren unserer Reise führte uns hoch über Levico.
Unser Ziel war Vetriolo Terme.
Bereits 1814 entstand dort oben ein erstes Thermalbad. Später kamen wohlhabende Kurgäste aus der Habsburgermonarchie mit der Eisenbahn nach Levico und wurden anschließend mit Pferdekutschen auf rund 1.500 Meter Höhe gebracht.
Die alte Bergstraße trägt deshalb bis heute einen passenden Namen:
Strada dei Siori – die Straße der feinen Herrschaften.
Wir hatten allerdings keine Pferdekutsche. Wir hatten unsere Fahrräder. Zum Glück mit elektrischer Unterstützung, denn die Steigung erreicht auf einzelnen Abschnitten etwa 16 bis 18 Prozent.
Oben angekommen fanden wir einen Ort, der ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Alte Kuranlagen und Gebäude erzählen von der großen Vergangenheit Vetriolos. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass der traditionsreiche Höhenkurort wiederbelebt werden soll. Gerade solche Orte lieben wir. Nicht perfekt herausgeputzt und touristisch durchorganisiert – sondern Orte, bei denen man noch etwas entdecken kann.
Die anschließende Fahrt durch die Bergwelt des Lagorai machte diesen Tag zu einem unserer besonderen Erlebnisse.
Die Kaiserjägerstraße – ein Ziel für unsere nächste Radreise
Eine Straße hatten wir ebenfalls fest auf unserer Liste: die berühmte Kaiserjägerstraße, italienisch Strada del Menador.
Die historische Militärstraße führt spektakulär durch die Felswände oberhalb des Caldonazzosees. Auf wenigen Kilometern werden fast 900 Höhenmeter überwunden.
Während unseres Aufenthalts konnten wir sie allerdings nicht befahren, denn die Straße war wegen umfangreicher Bauarbeiten vollständig gesperrt. Das haben wir bei unserer Reiseplanung entsprechend berücksichtigt.
Unser Wirt im Hotel hat uns von der Tour Bilder gezeigt und auch den Verlauf. Selbstverständlich werden wir diese Tour deshalb bei unserer neuen Radreise in 2027 im Programm haben. .
Traumhafte Aussichten im Bereich der Kaiserjägerstraße können wir Euch heute schon versprechen.
Zum Abschluss: Mit dem Fahrrad durchs Vinschgau bis zum Reschensee
Nach den Tagen im Trentino hieß es Abschied nehmen von Levico Terme. Aber einfach in den Bus setzen und nach Hause fahren? Das wäre für uns kein richtiger Abschluss gewesen. Also ging es zunächst nach Meran und von dort noch einmal mit den Fahrrädern hinaus ins Vinschgau. Diese Landschaft ist wie geschaffen fürs Radfahren: Obstplantagen, kleine Südtiroler Dörfer, Burgen an den Berghängen und ringsum die mächtige Bergwelt. Kilometer um Kilometer arbeiteten wir uns das Tal hinauf. Unser Ziel lag schließlich ganz oben am Reschensee. Und dort steht eines der bekanntesten Fotomotive Südtirols: der alte Kirchturm von Graun, der aus dem Wasser des Stausees ragt.
Nach einer Woche voller Seen, Berge, Burgen, Kirchen, Kurorte und vieler Fahrradkilometer war das ein passender Schlusspunkt unserer Reise.
Der Reschensee mit seinem berühmten Kirchturm ist weltberühmt und unser Endziel auf dieser Reise
Unser Fazit nach acht Tagen
Das Trentino und besonders die Valsugana rund um Levico Terme haben uns überrascht. Die Region ist touristisch erschlossen, wirkt aber vielerorts wesentlich ursprünglicher als manche bekannten Feriengebiete der Alpen. Innerhalb weniger Kilometer wechseln sich Seen, Obstplantagen, historische Städte, einsame Bergstraßen und kleine italienische Ortschaften ab.
Für uns Radfahrer kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Man kann hier sehr unterschiedliche Touren miteinander verbinden. An einem Tag gemütlich am See entlang, am nächsten hinauf auf 1.500 Meter. Heute Cappuccino auf einer italienischen Piazza, morgen auf den Spuren der Habsburger zu einem alten Kurort.
Und mit Brenner und Eisacktal zum Auftakt sowie Meran, Vinschgau und Reschensee zum Abschluss lässt sich daraus eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Radreise zusammenstellen. Genau deshalb haben wir uns nach unserer Erkundung entschieden: Diese Region möchten wir auch unseren Gästen von Launer-Reisen zeigen.
Aus unseren eigenen Touren, Erfahrungen und auch den kleinen Umwegen, die nicht funktioniert haben, ist eine neue Radreise entstanden:
Radreise Trentino – Valsugana & Südtirol
Mit der Landkarte hast Du eine kleine Vorstellung über diese Reise.